Miteinand am Hoimahof in Schöffau: ein Familienbetrieb mit vielen Facetten

Miteinand im Hoimahof in Schöffau

Drei Generationen, vier Standbeine, eine Familie

Familie Hindelang vereint Landwirtschaft, Wald, Jagd und soziale Aspekte in einem Hof.

Zufrieden wirken sie. Ausgeglichen. Sepp und sein Vater Anton Hindelang sitzen vor einem der beiden Wohnhäuser auf einer Bank in der Sonne und erzählen über die Besonderheiten dieses Hofs. Sie hören aneinander zu, bestätigen, was der andere sagt. Man merkt sofort: Sie verstehen sich. Nicht nur hier im Sonnenschein an diesem Frühlingsabend, sondern schon immer:
Der Vater übernahm vor 50 Jahren diesen Hof und übergab ihn vor einigen Jahren an seinen Sohn mit dessen Familie. Landwirtschaft mit Viehzucht, ausgedehnte Wälder, Eigenjagd, noch dazu inzwischen Ferienwohnungen und große Pläne für die Zukunft. Es gibt viele Entscheidungen zu treffen, bisher liefen sie noch immer im Konsens ab. „Die Sachen werden abgesprochen, man hört sich die Einwände des anderen an. Das hat bisher immer einwandfrei geklappt“, erklärt Sepp Hindelang, inzwischen der Betriebsleiter des Hofs.

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Wald vor Wild

Die Kombination aus Landwirtschaft, Wald und Jagd ist an sich nichts besonderes, hier auf dem Land gibt es viele Höfe, die das vereinen. Außergewöhnlich ist hingegen das Ausmaß des zusammenhängenden Landes, das zum Hof gehört. Dadurch wird die Eigenjagd möglich, was nicht bedeutet, dass es keine Regeln mehr „von oben“ gibt, aber immerhin mehr freie Hand bleibt. Die Hindelangs können selbst entscheiden, wo sie mehr Wild schießen und wo sie den Bestand ruhen lassen. „Wald vor Wild“ ist die Prämisse des Hofs, Ziel ist ein gesunder Mischwald, der ist im Vergleich zur früher beliebten Fichten-Monokultur nicht nur ertragreicher, sondern vor allem auch besser für den Boden und erhöht die Stabilität im Waldgefüge. „Dadurch, dass wir den Wald nutzen, schützen wir ihn auch“, sagt Anton Hindelang, der Senior.

Der Wald als Erholungsort

Der Wald ist für den Hof aber nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor. „Er an sich ist auch einfach schön. Es tut gut, im Wald zu sein. Wir merken das auch an den Kleinen.“ Zusätzlich zur Landwirtschaft befinden sich auch Ferienwohnungen auf dem Hof. Das Konzept der Hindelangs von „Ferien auf dem Bauernhof“ wird von Familien gerne angenommen, abseits dieser Zeiten wird der Hof von Kindergärten besucht, vor allem aus München. Meist verbringen die Gruppen eine knappe Woche hier, die Hälfte der Tage im Wald, egal bei welchem Wetter. „Die Kinder brauchen keinen Fernseher, keine Elektronik. Die sind da draußen und haben einfach die pure Freude!“, schwärmt der Junior.

Ferien auf dem Bauernhof Hoimahof Hindelang Schöffau

Ferien auf dem Bauernhof

Mit drei eigenen Kindern kennt Familie Hindelang das Thema aus eigener Erfahrung. Die älteste Tochter wählte bereits die Fußstapfen des Vaters und verbringt ihre Fremdlehre auf einem Hof bei München. Dort wird ebenfalls die Eigenjagd betrieben, der Jagdschein steht bei der achtzehnjährigen bereits auf dem Wunschzettel. „Das Jagen hat sicher zugenommen. Es entwickelt sich da einerseits eine Dynamik – fängt einer an, ziehen andere mit. Aber es wird auf den Höfen auch immer üblicher, dass man sich gezielter um die Jagd kümmert. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ macht einfach Sinn, das wird immer deutlicher“, beschreibt der Senior.

Die Zucht als Familien-Hobby

Während Anton Hindelang seinen Fokus immer mehr auf diesen Bereich des Hofes verlegt hat, schlägt das Herz des Juniors für die Viehzucht. Eine ideale Ergänzung, denn die zeitintensive Phase beider Standbeine fallen in die gleiche Saison. „Die Zucht ist meine größte Leidenschaft, unser Hobby. Auch für die Kinder, das liegt in der ganzen Familie.“ Eine der schönen Seiten dieses Hofes, erzählen die beiden, ist der Erfolg, der sich über die Jahre in der Zucht eingestellt hat.

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Die schönen Seiten

Und andere schönen Seiten dieses Berufs? „Das Miteinander. Wir sind hier gemeinsam auf dem Hof, keiner muss weg zur Arbeit. Wir frühstücken gemeinsam, treffen Entscheidungen gemeinsam, auch die Arbeit mit dem Azubi bringt Freude. Noch dazu sind wir viel draußen. Klar muss man das mögen, man muss auch am Wochenende früh raus“. Urlaub gibt es für die Familie nur alle zwei Jahre, aber die Gemeinschaft, die hier auf dem Hof herrscht, entschädigt dafür. Und die Region an sich. „Hier ist es einfach am allerschönsten“ schwärmt Anton Hindelang.

Büro gehört dazu

Und die weniger schönen Seiten? „Die gibt es schon auch. Die Büroarbeit nimmt immer mehr zu und es gibt immer mehr Termine, die fest eingehalten werden müssen, weil sonst Sanktionen drohen. Geburtenübermittlung ist so ein Thema, aber das gehört eben dazu.“, erklärt Sepp Hindelang achselzuckend. Und der Vater ergänzt: „Die ehrenamtliche Arbeit kürzt die Freizeit schon auch stark.“. Es gleiche sich aber aus, denn wer sich engagiert, der kann sich einbringen. „So schimpft man nicht nur auf andere, sondern verändert halt auch was“, sagt Sepp, der Junior.

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Soziale Landwirtschaft als neues Standbein

Pläne für Veränderungen gibt es auch bei den Hindelangs: Die Pläne für die Zukunft. Neben der Beherbergung von Kindern möchten sie künftig die „soziale Landwirtschaft“ weiter ausbauen. „Wir haben das Konzept auf einem Allgäuer Hof kennen gelernt, bisher gibt es das kaum: Ziel ist die Betreuung von Senioren. Nicht dauerhaft, sondern tageweise: Jene, die ihre Eltern, Schwiegereltern oder Großeltern nicht ins Heim geben wollen, aber dennoch einmal ein, zwei Tage in der Woche Zeit brauchen, um eigenen Verpflichtungen nachzugehen – an die richten wir uns Die Senioren werden morgens auf den Hof gebracht und abends wieder abgeholt. Ein weiteres Standbein für den Hof, dessen Idee im Hinblick auf die jüngste Tochter entsandt. Sie hat Epilepsie. Um ihr für die Zukunft einen passenden Arbeitsplatz bieten zu können, kam die Idee auf. Sie zeigt: Landwirtschaft braucht kreative Ideen, Leidenschaft und unternehmerisches Denken, um heutzutage bestehen zu können. Die Familie Hindelang macht vor, wie es geht.

Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben Familie Hindelang, den Betreiber des Erlebnisbauernhofs im bayerischen Schöffau, gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Euch Wald?
Der Wald ist ein wichtiger Bestandteil, nicht nur wirtschaftlich. Wir brauchen den Wald für unser Klima, als Schutz vor Lawinen und bei Hochwasser. Ganz davon abgesehen, dass er einfach gut tut. Er ist nicht wegzudenken.

 

Was bedeutet für Euch das Gebirge?
Sieht man das Gebirge, kommt man nach Hause. Es ist einfach schön. Überhaupt ist die Region die schönste, die man sich denken kann!

 

Was bedeutet für Euch Königstraum?
Die Schlösser kennt man, man schaut sie sich immer wieder mal an, gerade auch mit Kindern. Der Ludwig hat sich schon ganz besondere Orte rausgesucht, er war nicht fanatisch, er hat einfach gesehen, wo es besonders schön ist!

 

Was bedeutet für Euch Mythos Bayern?
Bayern ist einfach das schönste Land, es ist tatsächlich die „Vorstufe zum Paradies“, wie einer unser Politiker einmal sagte. Hier funktioniert das Gefüge einfach noch, es gibt Familienbetriebe, das allein spricht ja schon für Qualität und Zuverlässigkeit. Die Strukturen gilt es zu bewahren!