Holzknecht mit Liebe

Josef Langmayer ist  einer der letzten lebenden Holzknechte.

Holzknecht mit Liebe

Über fünfzig Jahre arbeitete Josef Langmayer als Holzknecht. Ein harter, gefährlicher Beruf, den er doch Tag für Tag mit Begeisterung ausübte. Noch mehr begeistern kann ihn wohl nur eine Sache: Seine Frau.

Vertraut sitzen sie in ihrer Stube. Lachen sich an, ergänzen sich gegenseitig die Sätze, bekräftigen, was der andere eben erzählte. Agnes und Josef Langmayer gehören zusammen, das ist unübersehbar. Nicht erst seit gestern, auch nicht erst seit einem Jahr, auch wenn man das vor lauter Liebe, die die beiden füreinander ausstrahlen, meinen könnte.

Liebe fürs Leben

Seit 68 Jahren sind sie verheiratet, gerade volljährig waren sie, als sie sich kennen lernten. Heute gehört Josef Langmayer mit seinen neunzig Jahren zu einem der letzten lebenden Holzknechte. Sommers wie Winters zogen die Männer aus, um Bäume zu fällen und neue zu pflanzen. „Die Leute von heute würden das keinen Tag aushalten!“, sagt er in tiefstem Bayerischen Dialekt, während der langsam den Kopf schüttelt. „Hart war’s schon…“, gibt er zu.

Ehrepaar Langmayer verliebt verheiratet jung
Von harter Arbeit geprägt

Josef Langmayer half schon im Jugendalter bei Holzarbeiten und arbeitete bis zur Rente in keinem anderen Beruf. Er strahlt, wenn er das sagt, auch wenn die Arbeit nicht nur gefährlich, sondern auch unendlich anstrengend war. Montags legten sie mitsamt ihren Stahl-Werkzeugen und Vorräten für eine Woche den stundenlangen Zustieg zur Arbeiterhütte zurück, von dort ging es jeden Morgen nochmals ebenso lang an den jeweiligen „Arbeitsplatz“. An den Handinnenflächen hatte Langmeyer sein ganzes Leben regelrechte Höcker aus Hornaut, die durchnässten Klamotten trugen sie einfach so lange, bis sie wieder trocken war. Alkohol gab es kaum, so etwas konnte man sich nicht leisten.

Holzknecht Josef Langmayer vergessener Beruf

„Mit Leib und Seele war ich Holzknecht!“

Die Arbeitswoche dauerte bis Samstag, bei gutem Wetter auch oft bis Sonntag. „Gejammert hat er kein einziges Mal,“ erzählt Agnes, „er hatte so eine Freude!“. „Mit Leib und Seele war ich Holzknecht,“ bekräftigt Josef, während Agnes ihr Lächeln für einen Moment verliert: „Nur die Loipe, die war gefährlich“. „Die war gefährlich, das war sie wirklich.“, erinnert auch er sich. Der Winter diente vor allem dazu, die geschlagenen Baumstämme ins Tal zu befördern. Eine Rinne aus Schnee, Eis und Matsch diente als Förderband. Und als Todeskommando, es passierten unzählige Unfälle. „Einmal kam er nur mit einem Stiefel zurück.“ Wo der andere sei, hatte sie ihn damals gefragt und er erzählte, wie er noch mitten in der Loipe stand, als plötzlich ein Baumstamm kam. Er konnte gerade noch rausspringen, nur der Schuh war im Schlamm stecken geblieben. „Gott sei Dank nur der Schuh…“, sagen sie beide und nicken in Gedanken versunken.

Holzarbeiten in Schweden

Eines Jahres wurden Holzknechte für Arbeiten in Schweden gesucht, Das Ehepaar Langmayer reizte das Fremde. Wenig später zogen sie ohne ein Wort Schwedisch zu sprechen in die Region um Arvika. Der Job war für eine Saison ausgeschrieben, am Ende blieben sie drei Jahre. „Das war so schön, das kann man sich gar nicht vorstellen.“, schwärmt Josef. „Von unserem Hügel reichte der Blick so weit, so weit konnten wir gar nicht schauen!“. Und sie ergänzt: „Dieses Rauschen der Bäume. Und die Seen! Die Leute…“, „…und die Wälder!“ beendet Josef den Satz begeistert.

Umzug nach Bayern

Sie wären am liebsten noch länger geblieben, aber ihr jüngstes Kind wurde eingeschult. Eine Entscheidung, die ihnen enorm schwer gefallen war. Am Ende siegte die Vernunft.
Im Zug zurück nach Bayern wollten sie allerdings direkt wieder umdrehen. Die Hektik der Menschen in Deutschland entsetzte sie. „’Die Leute, die spinnen hier!‘, hat er damals gesagt“, erinnert sich Agnes. „Das kann nicht gut sein!“. Sie lachen sich an, wohlwissend, dass die Hektik von damals Genuss von heute wäre.

Die Entscheidung, zurück nach Bayern zu kommen, war gut: „Wir wollen hier nicht mehr weg“, sagt Agnes. Josef nickt und wiederholt den Satz. „Wir haben hier alles. Wir haben unser »Klein Kanada«, direkt hinter’m Haus. Mit einem Moorsee, mit Wäldern, Blumen, Libellen, Frösche… Alles da. Wir wollen nicht mehr reisen, wir waren schon an so vielen Orten“.
Die Liste ihrer Reiseziele liest sich auch nach heutigen Maßstäben noch ambitioniert. Russland, Türkei, Marokko, Israel, Malta… „In der Sahara, da war ich auch schon“, sagt er im Scherz. „Ist ja klar, da steht kein einziger Baum mehr!“ lacht er. Und schiebt im Ernst nach: „Ich habe in meinem Leben mehr Bäume gepflanzt, als ich gefällt habe. Inzwischen schneiden sie schon wieder welche um, die ich damals gesät habe!“, erzählt er stolz.

„Gestritten haben wir nie“!

Mit sechzig Jahren schickte der Arzt Josef Langmayer dann in Rente. Agnes lacht und wiederholt den Satz, den sie damals von Freundinnen gesagt bekam „Du wirst dich noch wundern, wenn der plötzlich den ganzen Tag daheim ist. Da gibt’s Streit!“. Agnes verstand das damals nicht. Warum sollen sie streiten, wenn sie sich nun vierzig Jahre so wenig gesehen hatten? Sie behielt recht, gestritten wurde nie. Josef richtete sich eine Werkstatt ein, half den Kindern beim Hausbau und dort, wo Hilfe benötigt wurde. „Für Gotteslohn“, betont Agnes und nickt ihren Mann respektvoll zu. Josef wiederholt den Satz und bekräftigt: „Gestritten haben wir nie“. Er lächelt sie an: „Warum auch?“.

Josef Langmayer Holzknecht Lebensfreude Bayern
Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben das Ehepaar Agnes und Josef Langmayer, die alte Holzarbeiterfamilie, gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Euch Wald?
Den brauchen wir zum Atmen! Und er ist doch auch einfach so schön – diese alten, wilden Bäume, diese Baumbärte, die Rinde… Das ist doch einfach das Schönste!

 

Was bedeutet für Euch das Gebirge?
Ohne Berge, das kann man sich doch gar nicht vorstellen! Wie viel wir früher in den Bergen war – mit den Kindern, einfach den Rucksack packen und los. Das war das Beste.

 

Was bedeutet für Euch Königstraum?
Der König Ludwig, der Luggi ist noch voll da, natürlich spielt der heute noch eine Rolle. Nicht nur in unserer Generation! Er hatte schon auch ein Auge dafür, wo es schön ist. Wir haben ein Jahr lang neben dem Schloss Linderhof gelebt. Das war wirklich schön.

 

Was bedeutet für Euch Mythos Bayern?
…darf ich das so sagen? Also ich finde, Bayern ist das schönste auf der ganzen Welt. Und wir haben schon viel von der Welt gesehen, aber das hier, das ist schon was ganz Besonderes. Auch die Leute, hier wird noch Brauchtum gelebt, man trägt noch Tracht und hält zusammen. Das ist etwas Besonderes.

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern

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