Die höchste Försterin Deutschlands

Simone Herrmann wacht über die Zugspitze

Simone Herrmann ist Deutschlands „höchste Försterin“, denn die Zugspitze liegt in ihrem Revier. Im Interview erzählt sie, wie sie es als erste Frau in den Holzhackerverein Grainau geschafft hat und weshalb sie den Wald manchmal lieber meidet.

Simone Herrmann sitzt an jenem Ort, den sie als „notwendiges Übel“ bezeichnet: An ihrem Schreibtisch. Viel lieber wäre sie draußen in der Natur beim Suchen von Borkenkäfern, Prüfen von Maßnahmen, die den Wald stabil und vielfältig machen sollen, beim Planen neuer Wege oder bei der Jagd, die unabdingbar für einen gesunden Wald ist. „Die Schreibtischarbeit muss halt auch sein“, erklärt sie pragmatisch und sitzt dabei lachend in ihrem kleinen Büro. Ein präpariertes Murmeltier schaut auf sie herab, die Möbel sind allesamt aus Holz, zahlreiche Geweihe zieren die Wand.

Murmeltier Zugspitz Region Forst Grainau

Der Weg zur Försterin

„Holz ist ein faszinierender Werkstoff“, schwärmt die Enkelin eines Hobbyschreiners. Und doch war die Berufswahl nicht von Kindheit an klar, lange hat sie überlegt. „Was mit draußen“ sollte es sein, auf keinen Fall 40 Stunden im Büro. Der Vater, selber Handwerker und Jäger, erzählte beiläufig, dass er früher einmal Förster werden wollte. Die Idee gefiel ihr. Anstatt aber wie die meisten Kollegen einfach mit dem Studium zu beginnen, absolvierte sie zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Forstwirt – wohlwissend, dass sie es womöglich schwerer haben könnte in einer Berufswelt, die bisher ausschließlich in Männerhand war.

Als Frau in einer Männerdomäne

Entsprechend groß waren die Augen, als Simone Herrmann vor fünf Jahren das Revier Grainau bei den Bayerischen Staatsforsten erhielt. Mit Sympathie und fundiertem Wissen stellte sich die fröhliche junge Frau gegen die Vorurteile und baute die Skepsis Stück für Stück ab. „Heute ist das hier kaum noch ein Thema, die Leute haben sich dran gewöhnt. Die Aufnahme in den Holzhackerverein als erste und bisher einzige Frau, die war aber schon etwas Besonderes“, lacht sie.

Die Zugspitze gehört dazu

Besonders ist auch das Revier, für das sie sich damals beworben hatte. Sie wollte nach ihrer Arbeit im Pinzgau in den Bayrischen Saalforsten unbedingt weiterhin in den Bergen bleiben, die Stelle in Grainau klang perfekt. Entsprechend groß war die Freude, als sie tatsächlich die Zusage erhielt. Der Titel „Höchste Försterin Deutschlands“ wurde ihr damit verliehen, denn die Zugspitze ist Teil dieses Reviers.

Zugspitzmassiv Forstrevier Zugspitz Region
Herausforderung und Freude zugleich

Was anfangs schön und wild klang, stellte sich bald als die größte Herausforderung ihrer Arbeit heraus. Die Zuarbeit für die Zugspitzbahn mit ihren Pisten, Bahnen und Bauarbeiten fallen ebenso in ihren Tätigkeitsbereich wie die Touristen, bei denen es durchaus vorkommen kann, dass sie erbost auf ihre Motorhaube klopfen, wenn Simone Herrmann ihrer Arbeit im Wald nachgeht. „Die Touristen meinen oft, dass „Natur“ „Unberührtheit“ bedeutet und dass Wege ausschließlich zum Wandern angelegt wurden, was so einfach nicht stimmt. Wir wollen einen vielfältigen, gesunden Bergmischwald, das geht nun mal nicht von selbst.“, erklärt sie.

Vor allem der Borkenkäfer hält die Försterin wie überall sonst in Deutschland auch auf Trab. Gleichzeitig beschweren sich die Besucher, wenn ein Baum auf dem Weg liegt oder eine Trasse für die neue Zugspitzbahn freischlagen wird. „Es ist ja nicht so, dass wir die neue Bahn für uns selbst bauen! Da fehlen einem schon manchmal die Worte“, sagt sie kopfschüttelnd und schaut durch das Fenster hinauf zu den Bergen. „Ich habe mir inzwischen schon bestimmte Uhrzeiten angewöhnt, zu denen ich einfach nicht mehr im Wald bin.“
Solche Beschwerden höre sie von Einheimischen wiederum nie. „Die wissen, dass es Förster braucht, das lernt man hier von Kind an. Und im Dorf gibt’s kaum jemand, der nicht auch mal Brennholz oder einen Christbaum braucht“, grinst sie.

Simone Herrmann höchste Försterin Deutschlands

Die schönen Seiten

Was das Schöne an diesem Revier sei? Natürlich trotzdem die Zugspitze, mit all seinen Herausforderungen. Aber vor allem auch die Traditionen. Der Erhalt von Brauchtum, der hier groß geschrieben wird. Die Menschen. „Das sind echte Bayern. Nein, eigentlich: Das sind echte Werdenfelser. Die sind schon besonders. Ich will hier sicher nicht mehr weg. Die Region bedeutet für mich inzwischen Heimat“.

Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben die Deutschlands höchste Försterin Simone Herrmann gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Dich Wald?
Mein Arbeitsplatz!

 

Was bedeutet für Sie das Gebirge?
Gebirge bedeutet für mich Erholung, Freizeit, Hobby, Heimat. Vor allem Heimat – wenn man von der Autobahn nach Süden fährt und die Berge sieht, da fühlt man sich gleich daheim. Da ist man einfach in einer ganz anderen Welt.

 

Was bedeutet für Dich Königstraum?
Im Forstbetrieb Oberammergau haben wir eigentlich alles dabei, was König Ludwig gebaut hat: Schachen, Neuschwanstein, Linderhof… – er gehört einfach bei uns dazu. Er hat sich schon wirklich schöne Plätze rausgesucht, er hatte einfach ein Auge für Natur!

 

Was bedeutet für Dich Mythos Bayern?
Bayern ist Heimat. Klar ist das auch mein Arbeitsplatz, aber ich mags auch nicht mehr verlassen. Es ist ein anderes Lebensgefühl… Es ist… einfach griabig!

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern

Die Zugspitze

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