Andreas Weber, der Geschäftsführer der Laber Bergbahn im Gespräch

»Häuptling über 60 Jahre Technik«

Der Geschäftsführer der sechzig Jahre alten Laber-Bergbahn Andreas Weber über Technik, die begeistert, die Vorzüge der ersten Fahrt und über Häuptlinge, die ohne ihre Indianer nichts wären.

Begeistert steht Andreas Weber neben den massiven Stahlseilen der Laber-Bergbahn. Hier, einige Meter über dem Boden, werden die Gondeln von einer Seite auf die andere umgelenkt. Was heutzutage im Seilbahnbau ein alter Hut ist, war 1955 völlig neu. Denn die Gondel wird nicht wie heute üblich ausgehängt, mit verlangsamter Geschwindigkeit be- und entladen und anschließend wieder aufs Seil gesetzt, sondern mittels einer drehbaren Schiene auf die andere Seite transportiert. Die Konstruktion ist massiv und beeindruckend – auch nach 18 Jahren als Bergbahnleiter. „Die Ingenieure damals hatten ja nicht die Mittel von heute – aber sie hatten schon die richtige Idee.“ staunt Weber. „Das war schon richtig gut gedacht!“

Eine echte Nostalgie-Seilbahn

Die Laber-Bergbahn wurde als damals erste Großkabinen-Zweiseilumlaufbahn 1955 errichtet und erst in den 2000ern nach und nach erneuert. Neue Zug- und Tragseile sowie ein neue Steuerung kamen hinzu, elementare Bestandteile wie Getriebe und Gondeln sind aber original. „Das hat mich am Anfang wirklich Nerven gekostet“, grinst Weber, denn natürlich waren über sechs Jahrzehnte einige der Baupläne verschwunden. Inzwischen hat er sie aber nahezu komplett wieder. „Seitdem ist vieles einfacher“.

Die Arbeit bleibt dennoch eine Herausforderung, denn im Vergleich zu den neuen Bahnen erfordert ein defektes Teil nicht einfach den Anruf beim Produzenten, sondern immer wieder aufs Neue die Suche nach einem zertifizierten Hersteller, der die Teile nicht nur bauen, sondern vor allem auch die die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllen kann. Kleinere Teile, die nicht sicherheitsrelevant sind, entstehen – wie seit sechzig Jahren – an den originalen Metallverabeitungsmaschinen im Nebenraum der Talstation.

Immer ein Ohr an der Laber Bergbahn

Ob ihn diese Sisyphusarbeit nicht manchmal auch nerve? Nein, es sei einfach ein Faible für alte Bahnen. Ein Faible, das ihm als Sohn eines Bahnbetreibers in die Wiege gelegt wurde. Eine neue Bahn zu managen reizt ihn nicht, die technische Finesse, die von einem Leiter dort gefordert wird, ist geringer. Zwar läuft inzwischen die Überwachung auch bei der Laber-Bergbahn digitalisiert ab, der beste Sensor bleibt aber Andreas Weber selbst: Die Türe zwischen seinem Büro und der Bahn, die nur wenige Meter entfernt ihre Runden zieht, bleibt stets einen Spalt weit geöffnet. Nach bald 20 Jahren hört Weber sofort, wenn etwas nicht stimmt.

Technik für Menschen

Aber nicht nur die technische Seite interessiert Weber an diesem Beruf. Es ist auch die menschliche: In einer großen Bahn ist man als Chef nur mit der Verwaltung beschäftigt. Dort sitze man als Geschäftsführer nicht mehr an der Kasse, sagt er. Aber genau dieser Kontakt zu Kunden und die Zusammenarbeit mit seinen fünf Mitarbeitern auf Augenhöhe interessieren ihn. Wenn es eng wird, findet man Andreas Weber also wie selbstverständlich auch an der Kasse. „Wegen eines Krankheitsfalls waren wir an einem Feiertag einmal nur zu zweit. An dem Tag habe ich 1.300 Mal Grüß Gott und Auf Wiedersehen gesagt, da weiß man schon, was man abends geschafft hat. Und was die anderen jeden Tag so schaffen!“ Mit einer Fluktuation von Null – seit Weber dort arbeitet, gab es keine einzige Kündigung – spricht das durchaus für das positive Arbeitsklima. „Klar gibt es einen Häuptling, aber ohne seine Indianer läuft gar nichts!“

Obmann der Lawinenkommission

Und dann ist da ja noch ein ganz anderer schöner Aspekt der Arbeit: Als begeisterter Skifahrer und Obmann der Lawinenkommission entscheidet er im Winter Tag für Tag, ob die bis zu 45 Grad steile Skiroute „Nordhang“ vom Laber ins Tal freigegeben wird oder nicht. Gemeinsam mit zwei weiteren Experten gibt er eine Empfehlung an das Landratsamt, woraufhin die Route freigegeben oder eben geschlossen wird. Dass er wegen besonders guten Verhältnissen die Route erst einen Tag später freigab, kam noch nie vor, „aber es hilft ja schon, früh morgens der erste zu sein!“, grinst er.

Andreas Weber lebt seinen Beruf

Und während Weber noch etwas von der ein oder anderen Abfahrt schwärmt, wird klar: Diese Begeisterung für staubenden Pulverschnee, die aufgehende Sonne und die Einsamkeit der Berge ist die gleiche, mit der er die technischen Raffinesse „seiner“ Bahn erklärt. Wie hier die Schiene schwenkt, dort die Türe schließt und da die Spannung der Seile ausgeglichen wird: Andreas Weber lebt seinen Beruf. Vor der ersten Fahrt bis zum letzten Ersatzteil.

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern

Die Laber Bergbahn

In Oberammergau fährt die Laber Bergbahn auf den 1.684m hohen Gipfel. Sie war die erste Zweiseilumlaufbahn und damals ein technisches Detail des Mythos Bayern.
Webseite mit Informationen zur Bergbahn

Die Landesausstellung 2018

Die Landesausstellung 2018 des Hauses der Bayerischen Geschichte findet 2018 im Kloster Ettal zum Thema „Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern“ nicht weit von Oberammergau statt.
Weitere Infos zur Landesausstellung

Der Mythos Bayern

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist der Mythos Bayern zu Hause. Zahlreiche Angebote machen ihn vor, während und nach der Landesausstellung erlebbar. Nicht nur an bestimmten Orten, sondern auch mit einer Reihe von Veranstaltungen.
Veranstaltungsübersicht

Mythos Gebirge

Hier in den Ammergauer Alpen kann man hervorragend  wandern und es findet sich für jeden Anspruch die passende Wandertour im Tal und im Gebirge. Informationen über den Naturpark Ammergauer Alpen

Regional genießen

Oberammergau und der Laber liegen nicht weit vom Kloster Ettal entfernt. Deshalb gibt es in der Hütte auf dem Laber auch Ettaler Bier aus der Klosterbrauerei
Ettaler Klosterbrauerei

Die Zugspitz Region

Hier in der Zugspitz Region ist der Mythos Bayern zu Hause. Er findet sich im Wald und im Gebirge und natürlich auch in den Menschen, die diese Region prägen. Er lässt sich ständig und überall erleben.
Informationen zur Zugspitz Region