Die Pächter der Hochlandhütte im Karwendel im Gespräch

»Es ist noch besser als wir dachten!«

Den ganzen Sommer auf einer entlegenen Hütte. Erreichbar ausschließlich zu Fuß, versorgt zu einem großen Teil ebenfalls. Ein anstrengendes Leben? Ein perfektes Leben – finden zumindest die Hüttenwirte der Hochlandhütte im Karwendel.

Lachend steht Birgit Müller inmitten riesiger Töpfe in ihrer Küche. Die Nudeln müssen noch schnell abgegossen werden, dann ist das Essen für heute Abend fertig vorbereitet. Essenziell für einen reibungslosen Ablauf, denn mit dem strahlenden Sonnenschein ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Terrasse wieder voll und der Stresspegel hoch ist. „Das schöne ist immerhin: Es ist positiver Stress“ lacht sie zufrieden. Ob sie nicht manchmal bereue, diese Hütte übernommen zu haben? „Keine Sekunde! Es ist sogar noch besser, als wir dachten!“

Die Hüttenwirte der Hochlandhütte

Seit drei Jahren bewirten Birgit und Stefan Müller die Hochlandhütte oberhalb von Mittenwald. Umgeben von den letzten Bäumen auf dieser Höhe ragen im Hintergrund die schroffen Kalkfelsen des Karwendels empor. In der anderen Richtung reicht der Blick über die Wipfel der Fichten über das gesamte Zugspitzmassiv.

Es ist ganz still. Die Übernachtungsgäste sind längst schon aufgebrochen, die ersten Tagesgäste brauchen scheinbar noch ein wenig. Zeit für den einzig gemeinsamen, ruhigen Moment des Tages: Bei Käsebrot, Müsli und Kaffee frühstücken die zwei Pächter gemeinsam mit Helferin Heike an diesem Traumort. „Das ist doch einfach der schönste Arbeitsplatz überhaupt!“ sagt Birgit und schaut ins Tal, als könne sie es selbst jetzt noch nicht fassen, dieses Abenteuer vor drei Jahren gemeinsam mit ihrem Mann wirklich gewagt zu haben.

Eine Hütte im Karwendel sollte es sein

Die Idee, irgendwann eine Hütte zu übernehmen, hatten sie schon lange. Wenn, dann wollten sie aber eine in ihrer Heimatregion, etwas anderes kam nicht in Frage. „Hätten wir einfach eine Hütte haben wollen, hätten wir sie schon viel früher gehabt. Aber das kam für uns nicht in Frage.“ 2015 verbrachten sie dann ihren ersten Sommer auf der Hochlandhütte. Ein holpriger Start, denn der wichtige erste Helikopterflug der Saison konnte und konnte einfach nicht stattfinden. Und das, wo die Hochlandhütte für das erste Wochenende bereits ausgebucht war. Und es wurde nicht besser: „Zuerst zu viel Schnee, dann die lange Hitze…“ erinnert sich Birgit, sichtlich erleichtert, dass sie seither deutlich mehr Glück und natürlich inzwischen auch mehr Routine haben.

Die Hochlandhütte wird mit Muskelkraft versorgt

Das Schöne an dieser Arbeit ist ja nicht nur die Aussicht, schwärmt Stefan. „Hier oben lernst du so viele Menschen kennen, das ist schon etwas Besonderes.“ Birgit nickt und überlegt kurz. „Aber auch, dass wir hier oben alles selbst herstellen, das macht es für mich aus. Wir werden an drei, maximal vier Tagen pro Saison mit dem Helikopter versorgt, alles andere müssen wir vom Parkplatz in Rucksäcken hochtragen. Da lernt man schnell, ganz anders zu kochen.“ Auf der Suche nach Gerichten, die mit wenigen Zutaten auskommen, entdeckte sie viele alte Rezepte. Aufwändige zwar, aber viele bestehen nur aus wenigen Zutaten. Und vorwiegend vegetarisch, was weniger mit Ethik, sondern schlichtweg mit der Haltbarkeit zu tun hat. „Einmal in der Woche mache ich Gulasch, mehr geht einfach nicht.“

„Uns geht es hier gut…“

Trotz der aufwändigen Versorgung geht es der Hochlandhütte samt Pächter sehr gut. Denn vom Wanderboom profitieren die Pächter, die zunehmende Beliebtheit von Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte sorgt für zuverlässige Reservierungen. Für viele ist die wenig anspruchsvolle Karwendel-Durchquerung von Mittenwald an den Achensee die erste ihrer Art, entsprechend dankbar sind die Wanderer meist für die Tipps der erfahrenen Hüttenwirte. „Das ist schon Voraussetzung, wenn du so eine Hütte betreiben willst. Klar musst du handwerklich geschickt sein und kochen können, aber die Bergerfahrung, die braucht es einfach. Man muss den Gästen doch sagen können, wie die Verhältnisse so sind.“ Als Bergwachtler ist Stefan Müller da ein idealer Ansprechpartner, der gerne weiterhilft. Zumindest wenn er kann, denn auf Fragen wie „Kann ich das denn?“ ist auch er immer wieder aufs Neue sprachlos. „Woher soll ich das wissen?“ kann er dann nur antworten.

„Wir vermissen hier oben nichts…“

Ob sie auch etwas vermissen hier oben? „Nein!“ sind sich die beiden sofort einig. Natürlich vermisse man die bereits erwachsenen Kinder, aber die kommen regelmäßig hoch. Und die Freunde sieht man ja im Winter wieder. Birgit und Stefan schauen sich an und überlegen. „Nein, eigentlich vermissen wir hier rein gar nichts.“. Sie nicken zufrieden und genießen noch einen Schluck Kaffee. Allzu lang währt der Moment nicht mehr, die ersten Tagesgäste erklimmen bereits die letzte Stufen auf die Terrasse. Los geht’s!

Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben die Hüttenwirte der Hochlandhütte, Birgit und Stefan Müller gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Euch der Wald?

Wald bedeutet Leben. Er speichert Wasser, sorgt für saubere Luft. Er bedeutet Leben.
Für uns hier ist er etwas ganz Besonderes, denn die Hochlandhütte liegt direkt an der Waldgrenze. Eine Hütte, die direkt am Felsen klebt, das wäre nichts für uns, wir sind schon froh über den Wald, der uns hier umgibt.

 

Was bedeutet für Euch das Gebirge?
Gebirge ist Heimat. Wir waren schon öfter mal weiter weg, aber immer im Gebirge. Ohne ginge einfach nicht.

 

Was bedeutet Euch der Königstraum?

Nichts. Man sieht zwar überall Bauten und Erinnerungen an diese Zeit, aber so richtig anfangen können wir damit nichts.

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern

Der Weg zur Hochlandhütte

Die Hochlandhütte liegt auf mehreren interessanten Wanderwegen. Zum einen auf dem klassischen Weg über das Karwendel, zum anderen ist sie in zwei Stunden von Mittenwald aus zu erreichen.
Webseite mit Informationen zur Hütte

Die Landesausstellung 2018

Die Landesausstellung 2018 des Hauses der Bayerischen Geschichte findet 2018 im Kloster Ettal zum Thema „Wald, Gebirg und Königstraum – der Mythos Bayern“ nicht weit von Oberammergau statt.
Weitere Infos zur Landesausstellung

Programm zur Landesausstellung 2018

Besuchen Sie das umfangreiche Programm rund um die Landesausstellung in der Zugspitz Region
Weitere Infos zum Programm der Landesausstellung

Mythos Gebirge

Hier in der Alpenwelt Karwendel kann man hervorragend auf drei Etagen wandern und für jeden Anspruch findet sich die passende Wandertour vom Flachland bis ins Hochgebirge.
Informationen über die Alpenwelt Karwendel

Regional genießen

In Mittenwald findet sich die höchstgelegene Privatbrauerei Deutschlands – die Mittenwalder Brauerei. Klar, dass auf der Hochlandhütte Mittenwalder Bier ausgeschenkt wird.
Bierwanderung in Karwendel

Die Zugspitz Region

Hier in der Zugspitz Region ist der Mythos Bayern zu Hause. Er findet sich im Wald und im Gebirge und natürlich auch in den Menschen, die diese Region prägen. Er lässt sich ständig und überall erleben.
Informationen zur Zugspitz Region