Dieser Arbeitsplatz ist ein Traum

sagt die Wirtin vom Schachenhaus

Seit elf Jahren bewirtschaftet Marianne Leitenbauer zusammen mit ihrer Familie das Schachenhaus, das einstige Verpflegungshaus des gleichnamigen Schlosses. Ein Besuch in einer Welt zwischen Prunk, Gebirg und E-Bikes.

Durch den Wald geht es los

Der Mythos Wald

„Schachen“ steht auf dem Wegweiser am Wanderparkplatz bei Elmau. Bereits jetzt, kurz vor Sonnenaufgang, parken hier einige Autos. Auf der benachbarten Baustelle wird gearbeitet. Doch folgt man dem beschilderten Weg nur wenige Schritte, findet man sich unvermittelt in herrlich stiller Natur wieder.

Eine schmale Schlucht, gelbe Blätter an den Bäumen. Der Wald schläft noch so früh am Morgen. Im Talboden schmiegt sich ein Forstweg in den Wald, daneben plätschert fröhlich ein glasklarer Gebirgsbach. Der Wald hier unten ist herbstlich und farbenfroh. Es ist kühl und bis auf den Bach ganz still. „Ohne Wald wäre das alles hier oben nichts“, sagt die Wirtin des Schachenhauses. „Er ist einfach so schön.“

Die Wirtin vom Schachenhaus - Marianne Leitenbauer

Marianne Leitenbauer bewirtschaftet seit elf Jahren das Schachenhaus. Wenige Tage vor Saisonende sitzt sie in der malerischen Gaststube und lässt den Blick durch die großzügigen Glasfronten ins Tal schweifen. Sie ist eine resolute Frau, die anpackt. Die weiß, was sie will und auch in der Lage ist, das durchzusetzen. Das sieht man auf den ersten Blick. Die braunen Haare stecken unter einem kitschigen Strohhut, der seinen Ursprung wohl kaum in der urigen Alpenlandschaft hier oben hat. Ein übertrieben großes Edelweiß aus Holz ziert die Borte.

Seit über einem Jahrzehnt verbringt sie zusammen mit Mann Andreas und Tochter Steffi jeweils viereinhalb Monate hier oben und bewirtet Jahr für Jahr hunderte Gäste am Tag. Ob sie es immer noch gerne mache? Die Antwort kommt ohne ein Zögern: „Ja, natürlich!“ Eine Hütte zu bewirten, das war schon immer ihr Traum. Auch der ihres Mannes. „Wenn Du es nicht gerne machst, dann geht es nicht.“

Die Wettersteinalm auf dem Weg zum Schachen
Wald, Gebirg und Königstraum - der Mythos Bayern am Schachen
Blick auf die Alpspitze
Gebirgsbach bei Elmau

Das Schachenhaus

Und auch wenn die Hütte hier größer wurde als einst geplant, denkt sie noch lange nicht ans Aufhören. Dieser Gedanke kam ihr nur ein einziges Mal, direkt nach der ersten Saison hier oben. Die Gäste hatten sie überrollt. „Das will ich kein zweites Mal“, hatte sie damals gesagt. Einige Monate später war sie wieder hier oben, sie hatte sich einen Schlachtplan zurecht gelegt. Keine Speisen mehr, die nicht vorbereitet werden können, nichts allzu Aufwändiges selbst machen wollen. Sie stand jeden Tag um sechs auf, richtete Frühstück und Kuchen und hatte so auch Zeit, mal ausgelassen mit den Gästen zu schäkern. „Die meisten sind ja auch wirklich nett.“

Einkehren im Gebirge

Das Schachenhaus selbst liegt wenige Meter unterhalb des Schlosses, nicht so exponiert, sondern in einer Senke. Alles ist liebevoll hergerichtet, kleine Holzschilder weisen den Weg, runde Biertische stehen vor dem Haus in der Sonne. Noch ist nicht viel los, aber das wird noch kommen. Im Sommer stehen die ersten Gäste um halb neun da, manchmal bleibt so für die Wirtsfamilie nicht einmal mehr Zeit, selbst zu frühstücken. Abends um elf Uhr versuchen sie ins Bett zu kommen, mit etwas Autorität ist das auch meist möglich. Manchmal aber sind die Gäste auch gar so nett, da wird es auch mal später. Der Brauereibesitzer von den Bahamas zum Beispiel, oder die Schweizer von letzter Woche... Diese besonders schönen Bekanntschaften lassen dann auch die ein oder andere Beschwerde schnell vergessen.

Das Schachenhaus - Einkehrmöglichkeit für die Fans des Königs
Blick vom Schachenhaus

Nur der Wandel ist beständig

Von Mariannes Gaststube aus sind die letzten Kilometer des Zustiegs zu sehen. Immer wieder huschen E-Bikes problemlos über den teilweise durchaus anspruchsvollen Forstweg. Ob sich das Wirtsdasein in den vergangenen Jahren verändert habe? „Ja, schon sehr.“ Es sei viel geworden, gerade auch wegen der E-Bikes. „Jeder will in die Berge, jeder will es schnell haben. Viele haben keine Zeit mehr, keiner hat Ruhe.“ Und für viele stehe das „Ich“ im Mittelpunkt. Dass es keine Duschen für Übernachtungsgäste gäbe, ist für viele nicht akzeptabel. Und selbst wenn Wasserknappheit herrscht, fällt es einigen Gästen schwer, das zu verstehen. Als kürzlich ein Wasserrohrbruch die ganze Hütte lahmlegte, hagelte es Beschwerden, nur wenige konnten die Situation nachvollziehen. „Ein Tag, auf den man wirklich verzichten kann“.

Licht und Schatten

Marianne schaut aus dem Fenster. Für einen Moment verliert sich das immerwährende Strahlen in ihrem Gesicht. „Aber mei, du hast so viele Menschen hier oben, den meisten gefällt es. Ich kann es einfach nicht jedem Recht machen“.

Trotzdem liebe sie diesen Beruf. Allein schon wegen der Lage. Wenn man bei Vollmond das Schloss anschaue, das hell über all den Lichtern im Tal leuchte. Oder an Johanni, wenn all die Feuer brennen und man in aller Ruhe diese Landschaft genießen könne. „Dieser Arbeitsplatz – das ist ein echter Traum. Das Gebirge, der Wald, der Blick ins Tal – das gehört einfach zu unserem Land dazu“.

Blick auf das Werdenfelser Land
Schloss, Chalet oder Haus?
Blick nach Partenkirchen

Ausflug zum Schachenschloss

Schön ist es allemal, der Blick reicht weit ins Alpenvorland und auf die imposanten Felsplatten der Frauenalplspitze. Das Schloss leuchtet ockerfarben im Morgenlicht. Aufwändige Verzierungen schmücken das Gebälk, im Hintergrund wacht die riesige Bergwelt der Zugspitze. Zwischenzeitlich war das Schloss nahezu schwarz gestrichen, ursprünglich jedoch ähnlich hell wie jetzt. Es gab nicht so viel Spielraum bei der Farbe, sie muss enorm witterungsbeständig sein. Im Winter Schnee und Eis, im Sommer Regen, Hitze, Wind...
Rund 300 Personen kommen manchmal pro Tag, um eine Führung zu erleben. Der Grund für die meisten Gäste, hier herauf zu kommen. Der Alpengarten auch, aber vor allem das Schloss.

Ein Königstraum - der Mythos Bayern

„Oben im Saal, wenn da die Sonne reinscheint, das glaubst Du nicht!“ erzählt Marianne begeistert. „Viele sagen ja, dass der König Ludwig gesponnen hat. Und wie er gestorben ist, ist ja ein Mythos für sich, die einen sagen so, die anderen so. Aber fest steht, dass ohne ihn heute viele keinen Arbeitsplatz hätten. Wenn er gesponnen hat, dann hat er gut gesponnen! Er hat Orte aufgetan, wo kein anderer geschaut hat.“.

Steffi und Marianne Leitenbauer - die Wirtinnen im Schachenhaus

Eine Frage bleibt aber noch. Der Hut!

„Der ist fürchterlich nervig!“ lacht Steffi, Mariannes Tochter, ebenfalls mit solch einem Prunkstück geschmückt. Es sei ihre Abschlusswette, denn in den letzten Tagen brauche es etwas, damit man durchhält. „Wer den Hut vergisst, muss die anderen zum Essen einladen.“ Die zwei Wirtinnen freuen sich auf das Ende dieser Saison, auch wenn sie gut lief. „Wenn sich die Zirben unten gelb verfärben, dann ist es Zeit zu gehen. Dann reicht es einfach irgendwann.“ Wiederkommen werden sie aber, ganz sicher. Denn das hier oben, das ist halt einfach ein Traum.

 

 

Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben die Schachenwirtinnen Steffi und Marianne Leitenbauer gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Euch der Wald?
Ohne Wald wäre das hier oben nichts. Er ist schon schön, besonders mit den vielen Zirben hier oben. Dieser Geruch ist ganz etwas Besonderes.

Was bedeutet für Euch das Gebirge?
Das Gebirge, der Wald, der Blick ins Tal - das gehört einfach zu unserem Land dazu.

Was ist für Euch der Mythos Bayern?
Viele sagen ja, dass der König Ludwig gesponnen hat. Und wie er gestorben ist, ist ja ein Mythos für sich, die einen sagen so, die anderen so. Aber fest steht, dass ohne ihn heute viele keinen Arbeitsplatz hätten. Wenn er gesponnen hat, dann hat er gut gesponnen! Er hat Orte aufgetan, wo kein anderer geschaut hat.

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum - der Mythos Bayern

Der Weg zum Schachenschloss

Vom Wanderparkplatz Elmau den Königsweg durch den Wald ins Gebirg zum Königstraum. Das ist der bequemste Weg zur Wirtin des Schachenhauses. Webseite mit Öffnungszeiten und Wegbeschreibung

Die Landesausstellung 2018

Die Landesausstellung 2018 des Hauses der Bayerischen Geschichte findet 2018 im Kloster Ettal zum Thema "Wald, Gebirg und Königstraum - der Mythos Bayern" statt. Weitere Infos zur Landesausstellung

Der Mythos Wald

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist der Mythos Wald zu Hause. Zahlreiche Angebote machen ihn vor, während und nach der Landesausstellung erlebbar. Veranstaltungsübersicht

Mythos Gebirge

Hier in der Zugspitz Region findet sich Deutschlands höchster Gipfel. Wanderwege und Skipisten laden zum Entdecken ein. Informationen über die Zugspitz Region

Königstraum

Im Schachenschloss feierte der Märchenkönig Ludwig II seine Geburtstage. Sein zweites Schloss in der Region findet sich in Linderhof, nicht weit von Ettal.

Regionale Produkte im Schachenhaus

Fleisch aus der Region und Bier aus Mittenwald werden im Schachenhaus serviert - so lässt sich der Mythos Bayern am besten genießen!