Geigenbau in Mittenwald - die Klangwerdung des Mythos Wald

Maria Sandner ist Geigenbauerin in Mittenwald

Von der Ostseeküste in den Geigenbauort Mittenwald: Als Tochter eines Geigenbauers aus der Hansestadt Lübeck kam Maria Sandner in die Geigenbauschule nach Mittenwald. Wir haben sie in Ihrer Geigenbauwerkstatt im Zentrum von Mittenwald getroffen.

Geigenbauerin Maria Sandner

Die Töchter des Geigenbauers

Es klingt wie ein Märchen. Zwei Töchter eines Geigenbauers wachsen heran, spielen in der Werkstatt des Vaters und schmieden gemeinsam Pläne. Die jüngere schlägt einen völlig anderen Weg ein, während die ältere von Mittenwald, der Ausbildung dort und dem Sohn des Lehrers erzählt. Über Umwege führte das Schicksal Maria, die jüngere der Geschwister, letztendlich zum Beruf des Vaters, zum Sohn des Lehrers ihrer Schwester und zu einer eigenen, florierenden Werkstatt in Mittenwald.

Späte Berufung zum Geigenbau

Der Unterschied zum Märchen: Maria Sandner gibt es wirklich. Mit strahlend blauen Augen, blonden Haaren und lässiger Kleidung sitzt sie in der Stube mitten in der Fußgängerzone von Mittenwald. Die Decken sind niedrig, die Holzvertäfelung an den Wänden Jahrhunderte alt. Früher war das hier Werkstatt und Verkaufsraum des Schwiegervaters, inzwischen entstehen die wertvollen Instrumente im Obergeschoss. Blumen hängen am Geländer, es ist warm und riecht heimelig nach Holz.

 

Maria wollte nach dem Abitur die ausgetretenen Spuren des Vaters vorerst verlassen. In Tübingen studierte sie Biologie, während die Schwester in Mittenwald die Ausbildung zur Geigenbauerin machte. Immer wieder schwärmte die Schwester von der Schönheit des Ortes vor, von den Menschen, dem hohen Freizeitwert in der Natur.

Geigenbau Boden während des Schnitzens
frisch geschnitzte Schnecken
Stege für den Geigenbau in der Werkstatt
In der Werkstatt

An der Geigenbauschule in Mittenwald

Die Berufschancen nach dem Biologiestudium sahen schlecht aus. Und so lieh sie sich kurz vor dem Vordiplom Werkzeug von ihrem Vater, übte das Zeichnen und nahm nach jahrelanger Pause wieder Geigenunterricht. Ihren weiteren Werdegang überließ sie dem Schicksal: „Wenn ich die Aufnahmeprüfung zur Geigenbau-Ausbildung bestehe, mache ich sie. Sonst nicht“, sagte sie sich damals. Was sie anpackt, will sie gut machen. Sie hing sich rein, bereitete sich gut vor und: wurde genommen.

Gemeinsam mit 6 weiteren Schülern absolvierte sie die kommenden dreieinhalb Jahre die Ausbildung, lernte das Werkzeug richtig zu bedienen, entwickelte das Gefühl für den Umgang mit Holz und die Kunst, Geigen zu restaurieren.

Glück fügt sich

Mit dem Sohn ihres Lehrers, der mit ihrer Schwester damals gemeinsam die Ausbildung absolviert hatte, wurde sie bald ein Paar und nach der fünfjährigen Gesellenzeit in München kam plötzlich alles zusammen: Gemeinsam mit Ihrem Mann schloss sie die Meisterprüfung ab, sie wurde schwanger und im Geigenbau-Museum in Mittenwald wurde eine Stelle als Museums-Wart samt Stellvertretung ausgeschrieben. Das Glück war perfekt.

Hals mit Schnecke und Griffbrett
Geigen hängen zum Trocknen

Ein schöner Beruf

Ob sie die Entscheidung zu dieser Ausbildung jemals bereut habe? Sie schüttelt lachend den Kopf. „Ich kann mir nichts besseres vorstellen!“. An ihrem Beruf reizt sie zum einen die handwerkliche Seite. „Man macht etwas mit den Händen und hat am Ende ein fertiges Produkt vor sich“. Aber auch der Abwechslungsreichtum, der Kontakt zu Kunden und die Freiheit, sein eigener Herr zu sein - „es ist einfach der schönste Beruf!“.

 

Dass sie nichts aus der Hand geben kann, was nicht von ihr abgesegnet wurde, kommt ihr in diesem Beruf durchaus gelegen. Lieber mache sie etwas noch einmal komplett neu, bevor sie nicht damit zufrieden ist. Ihre Kunden danken es ihr und bitten sie nicht selten um besondere Bauten. Eine Kundin zum Beispiel, früher eine begeisterte Violinistin, verlor durch einen Unfall das Gefühl der rechten Hand. Sie bat Maria Sandner eine Geige anzufertigen, die „spiegelverkehrt“ sei – quasi für Linkshänder. Auch wenn das Maria gerade beim Einspielen vor Herausforderungen stellte, war die Kundin am Ende begeistert. „Sie kommt regelmäßig hier vorbei und spielt auch heute noch“.

Glücklich sein

Maria Sandner lächelt, als sie die Geschichte erzählt. Sie passt so gut zu ihrer Ausstrahlung, denn es geht um Glück und Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen. „Ich will glücklich sein“, antwortet sie prompt auf die Frage, was ihr wichtig sei. „Wie oder wo genau, das ist zweitrangig, Hauptsache, man ist glücklich. Das ist das wichtigste im Leben“.

Wald, Gebirg und Königstraum machen den Mythos Bayern aus. Wir haben die Geigenbauerin Maria Sandner gefragt, was das für sie bedeutet:

Was bedeutet für Dich der Wald?
Ohne den Wald hätten wir als Geigenbauer kein Holz - natürlich ist er mir wichtig!

Was bedeutet für Euch das Gebirge?
Das Gebirge gehört einfach zu diesem Ort. Mittenwald wäre ohne nicht Mittenwald, wie ich es kenne.

Was ist Dein persönlicher Königstraum?
Mein Lebensziel ist es glücklich zu sein. Denn wenn man glücklich ist, ist das "Wo", "mit Wem" und "Wie" egal. Hauptsache man ist glücklich!

Landesausstellung 2018: Wald, Gebirg und Königstraum - der Mythos Bayern

 

Das Geigenbaumuseum

Im Geigenbaumuseum Mittenwald erfährt man alles über die mehr als 300jährige Geschichte des Geigenbauerortes Mittenwald. Webseite mit Öffnungszeiten

Die Landesausstellung 2018

Im Kloster Ettal findet die Landesausstellung 2018 des Hauses der Bayerischen Geschichte statt. Weitere Infos zur Landesausstellung

Der Mythos Wald

Nicht nur in Mittenwald, sondern im ganzen Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist der Mythos Wald zu Hause. Erlebe ihn hier: Veranstaltungsübersicht

Musikinstrumentenbauschule

Hier in der Zugspitz Region findet sich auch die Instrumentenbauschule Mittenwald. Instrumentenbauschule

Alpenwelt Karwendel

Mittenwald und die Alpenwelt Karwendel sind ein Urlaubsparadies. Informationen zur Alpenwelt Karwendel

Geigenbau Sandner

Maria Sandner lässt sich in Mittenwald auch besuchen. Sie hat Ihre Werkstatt am Obermarkt 29.